Written by admin on 1. März 2008 – 13:02
Sobald Value Investoren eine Aktie finden, die nach ihrer Meinung zu einem sehr niedrigen Preis verkauft wird, müssen sie sich nach den Gründen hierfür fragen. Ein Schnäppchen sollte nach der ersten Analyse immer nochmalig auf mögliche Risiken untersucht werden. Dabei kann es sich um zu erfüllende Pflichten, wie Pensionsverpflichtungen von Ford oder General Motors, oder vielleicht um neue Produkte eines Konkurrenzunternehmens handeln. Mögliche Risiken können unternehmens- oder branchenspezifisch sein.
Die Natur des Value Investing ist typischerweise antizyklisch. Dass heißt Value Anleger liegen in der frühen Phase ihrer Investments typischerweise falsch, sobald sie sich gegen die Masse der Anleger stellen. Denn die Masse ist diejenige, die Aktienkurse in die Höhe treibt oder bis ins Bodenlose fallen läßt. Value Investoren müssen daher über einen unbestimmten Zeitraum - und dieser kann manchmal sehr lange dauern - Buchverluste ertragen.
Unabhängig davon, wie umfassend die Nachforschungen eines Investors ausfallen und wie fleißig und klug er vorgeht, er muß immer mit unvollständigen Informationen leben. Andererseits bedeutet sämtliche Fakten zu kennen nicht zwangsläufig einen Gewinn. Der größte Teil der Analyse ist in vergleichsweise kurzer Zeit zu erledigen. Eine weitergehende Analyse ist sehr zeitaufwendig, da bestimmte Unternehmensinformationen nicht immer zur Verfügung stehen und zudem vergänglich sind.
Hohe Ungewißheit über ein Unternehmen oder einen ganzen Sektor korreliert häufig mit niedriger Bewertung. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Ungewißheit sich aufklärt, beginnen die Preise wahrscheinlich zu steigen. Der Verzicht auf Informationen kann zu schnelleren Entscheidungen führen und somit einen Vorteil bedeuten, wenn sich andere Investoren lieber noch tiefer in die vorliegenden Informationen einarbeiten. Diese Mehrzeit kann für einen “späten” Investor zu einem Verlust der Sicherheitsmarge führen.
Daher ist es ratsam zu beobachten, wie sich die Firmen-Insider (z.B. Manager und Direktoren) verhalten. Die Beweggründe des Managements eines Unternehmens können eine sehr wichtige Rolle für das Ergebnis eines Investments spielen.
Der Analysevorgang ist der Prozess, in dem eine große Zahl von Informationen auf eine händelbare Größe reduziert wird. Der Investor trennt sozusagen die Spreu vom Weizen. Dabei produziert die Analyse für sich genommen noch keinen Gewinn. Dieser stellt sich erst später ein, manchmal sehr viel später, nachdem die während der Analyse identifizierte Unterbewertung in eine Portfolioentscheidung umgesetzt und im Idealfall durch den Markt akzeptiert wird.
Da der Analysevorgang nicht standardisiert werden kann, wird diese Arbeit niemals vollständig durch einen Computer ersetzt werden können.